Home » Gesellschaft, Soziologie

Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II

24. Mai 2007 | 15:58 Gelesen: 11641 · heute: 2 · zuletzt: 23. June 2017 8 Reaktionen

Die Radsportszene kommt nicht zur Ruhe: erst faßt sich Bert Dietz ein Herz und gewährt bei Reinhold Beckmann Einblicke in die Dopingrealität des Telekom-Rennstalls der späten 90er Jahre. Christian Henn, ebenfalls Mannschaftskollege von Jan Ullrich und Dietz, ist offenbar so angetan von der Plauderstunde am Montagabend, so daß er sich solidarisiert und ebenfalls den Epo-Mißbrauch in den Jahren 1995-1999 einräumt. So weit, so gut. Spektakuläre Dopingfälle und Geständnisse gab es immer wieder. Nichts Neues also im Peloton.

Dopingarrangments_02c.jpgNun aber kommt Bewegung in die Szene. Die bislang so schweigsamen Jungs werden plötzlich redselig und die Chronisten der Ereignisse werden vor die Aufgabe gestellt, all die Dopinggeständnisse und Verfehlungen auch genau zu dokumentieren. Am Donnerstagvormittag ist es dann soweit, erst vollzieht die Uniklinik Freiburg den längst überfälligen Schritt und trennt sich von den belasteteten und inzwischen geständigen Ärzten Andreas Schmid und Lothar Heinrich; und kurz vor Mittag steht eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz des T-Mobile-Rennstalls an. Was inzwischen schon zu erwarten war, tritt ein: die beiden früheren Radhelden Rolf Aldag und Erik Zabel räumen teilweise unter Tränen die Einnahme von Epo ein.

Hossa! Wer hätte noch vor Wochenfrist damit gerechnet? Hatte man sich nicht längst damit abgefunden, daß die Tourheroen ihr Wissen um die leistungsförderlichen Helferlein mit ins Grab nehmen würden?1 Manche hatten ohnehin vermutet, daß die Stauhitze unter den Fahrradhelmen bei den heißesten Etappen der Tour de France dem Erinnerungsvermögen nicht sehr zuträglich sein kann. Andere hatten eher auf schwere Stürze getippt, die sowohl sportlichen Ethos, als auch Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen haben könnten. Aber Pustekuchen! Bald der einzige, der weiterhin nicht einsehen will oder kann, daß sein Versteckspiel und die halbseidenen Dementis nur noch lächerlich sind, ist Jan Ullrich. Ob er sich ein Beispiel an seinen früheren Kollegen nimmt, bleibt offen.

Geständniseifer 

Weshalb es nun plötzlich alle so eilig haben und ihre früheren Verfehlungen (zumindest teilweise) einräumen, ist bislang dennoch kaum einsichtig. Ist es möglicherweise ein abgestimmter Versuch mit einer kollektiven, inszenierten Beichte, erstens: Einsicht, zweitens: Reue, drittens: Lernfähigkeit zu demonstrieren? Um, Zweck der ganzen Übung, viertens: Absolution zu erhalten?

Auffällig ist, daß die meisten Geständnisse ohnehin nur gewisse Praktiken (den Gebrauch des ohnehin in Rede stehenden Epo) einräumen; Rolf Zabel ist offensichtlich der Ansicht, daß ihm bereits das Eingeständnis "einmaliger Epo-Einnahme" die Reinwaschung einbringt. Ganz auszuschließen ist tatsächlich nicht, daß hier bewußt darauf spekuliert wird, durch das zähneknirschende Einräumen bestimmter Tatbestände, allen zukünftigen Fragen nach dem wahren Ausmaß des Fehlverhaltens den Wind aus den Segeln zu nehmen. Frei nach dem Motto: wer bereits einmal tränenreich und im Büßerhemd vor der Nation um Abbitte gefleht hat, dem möge man doch fürderhin alle neugierigen Nachfragen ersparen.

Nachahmungstäter 

Bereits mit dem Handwerkszeug der Küchentischpsychologie ist freilich verständlich, daß es deutlich komfortabler ist, wenn man gemeinschaftlich an den Pranger gestellt wird. Bert Dietz gebührt insofern eine gewisse Anerkennung, da er als erster gewagt hat, das Schweigen zu brechen. Die anderen hoffen nun offenbar, in seinem Windschatten die Folgen der medialen Kritik etwas abfedern zu können. Die Schläge, die die Fahrer nun einstecken müssen, ertragen sich nunmal deutlich leichter, wenn sie auf mehrere Rücken niedergehen. Und überhaupt: in ein paar Wochen, wenn wieder andere Themen die Zeitungsspalten dominieren, wird man sich nicht mehr so genau daran erinnern, wer denn nun was gebeichtet hat. Man ist (vorläufig) aus der Schußlinie und äußert glaubhaft die Absicht, nun einen Neuanfang zu starten. Dies ist natürlich auch eine Möglichkeit, um Wissen zu verdecken und Nicht(genau)wissen sicherzustellen.

Wie glaubwürdig sind aber die Erklärungen, die nun von den Verantwortlichen in Sportverbänden und Rennställen abgegeben werden? Ist es plausibel, daß die üblichen Verdächtigen nun tatsächlich die eisernen Besen in die Hand nehmen werden und tatkräftig und effizient gegen jede Form des Dopings vorgehen werden? Sind dies nur Lippenbekenntnisse oder besteht wirklich Hoffnung auf eine Veränderung?

Wenn man anhand verschiedener soziologischer Begrifflichkeiten und Theorieansätze das System Spitzensport analysiert, keimen allerdings durchaus Zweifel hinsichtlich der Erfolgsaussichten eines solchen Vorhabens. Die Dopingarrangements sind – wie sich zeigen wird – fester Bestandteil der Strukuren.

Inkohärenz der Blickwinkel: die Inszenierung des ehrlichen Sports als Spiel mit Hinter- und Vorderbühne

Auch für einen kaum argwöhnischen Betrachter wird deutlich, daß die Welt des Sports eine hochgradig inszenierte Oberflächenstruktur aufweist. Die Athleten werden als junge, dynamische, leistungsbereite ‚role models‘ vorgeführt, die allesamt als Werbeträger für Zeitschriften der Kategorie "fit & fun" taugen. Gesundheit, Körperbewußtsein, Leistungsfähigkeit – die positiv konnotierte Schlagwortreihe ließe sich leicht weiter fortsetzen.

Der spannende Wettstreit um Zeiten und Weiten tut sein weiteres. Der Sport lebt seinem Wesen nach durch seine klare Struktur, also den (vordergründig) transparenten Spielregeln, denen alle Wettkämpfer gleichermaßen unterworfen sind. Der Modus des Wettbewerbs ist klar definiert und wenn der Startschuß fällt, so fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf den Konkurrenzkampf der Sportler. Sie sind teil einer Wette, als deren Protagonisten sie für die Zuschauer Identifikations- und Partizipationsangebote offerieren: egal ob es sich um Langstreckenläufer, Radfahrer oder Fußballteams handelt; im Vorfeld werden Sympathien verteilt und der Sportzuschauer fiebert mit seinem Favoriten mit, erleidet Niederlagen und erlebt Erfolge.

Das alles, was die Zuschauer und Fans miterleben, bezieht sich auf das Geschehen der "Vorderbühne". Der Soziologe Erving Goffmann hat an vielen Beispielen illustriert, wie jede individuelle Interaktion und jedes soziale System, in zwei strukturelle Komponenten zerfällt. Einerseits gibt es den Bereich der "Vorderbühne", auf der die Akteure gemäß bestimmten Verhaltenserwartungen handeln. Hier läuft ein inszeniertes (Rollen-)Spiel ab. Auf der "Hinterbühne" wird diese Notwendigkeit suspendiert; hier werden von den eingeweihten Personen die internen Bedingungen und Verhaltensweisen untereinander abgestimmt, um das Schauspiel auf der Vorderbühne fortführen zu können.

Auf den Radpsort gewendet wird sichtbar, daß sich auf der Vorderbühne lediglich der (inszenierte) Wettkampf abspielt, der an weitere Inszenierungselemente (Siegerehrung, Interviews, Pressekonferenz etc.) gekoppelt ist. Hier geht es um die Aufrechterhaltung des erwünschten Bildes eines sauberen, fairen Wettstreits. Naiv ist, wer verkennt, daß die infrastrukturellen Bedingungen des Spitzensports durch die Geschehnisse der Hinterbühne geprägt sind. Einblick in die monatelange Trainings- und Vorbereitungsarbeit, Zutritt zu internen Mannschaftsbesprechungen oder in Athleten- und Behandlungszimmer haben nur Eingeweihte. Auf dieser Hinterbühne werden Trainings- und Ernährungspläne und auch der effizienteste Einsatz von Dopingmitteln2 erörtert.

Zusammenfassend: vor allem die Medien präsentieren die Hochglanzversion des Spitzensports. Die Fassade, die den Glauben an den fairen, sportlichen Wettstreit aufrechterhält. Wenn, wie nun durch die Veröffentlichungen und Stellungnahmen einzelner Dissidenten (Jeff d’Hont, Bert Diez, Christian Henn), die Dopingpraxis teilweise publik wird, wird der Vorhang der Vorderbühne ein Stück weit angehoben, und das erstaunte Publikum erahnt, was auf der Hinterbühne tatsächlich abläuft.

Initiationsriten und Aneignung des spitzensportlichen Habitus

Wie leicht nachvollziehbar ist, zerfällt auch jedes Subsystem des Spitzensports in Vorder- und Hinterbühne. Was hinter verschlossenen Türen wenigstens teilweise ausgesprochen werden darf, ist auf der Vorderbühne (zumal wenn Kameras und Mikrofone laufen) tabu. Selbstverständlich müssen deshalb gewisse Zugangsregeln installiert sein, die sicherstellen, daß diese Trennung zwischen vordergründigem hehren Sportethos und hintergründiger Leistungsmanipulation um jeden Preis aufrechterhalten werden kann.

Rekonstruiert man die einzelnen Etappen, bis ein talentierter Nachwuchssportler zum Mitglied eines Profiteams wird, zeigt sich, daß hier bestimmte Sozialisationsmechanismen ablaufen, die Loyalität sichern und den einzelnen Sportler mit habituellen Verhaltensmustern ausstatten. Der Habitusbegriff wurde für die Soziologie v.a. durch Pierre Bourdieu fruchtbar gemacht.3

Bezogen auf das Sportsystem wird sichtbar, daß die Nachwuchssportler bspw. durch das Vorbild von Leistungsträgern in ihrer Trainingsgruppe vorgeführt bekommen, daß bestimmte Maßnahmen zur Leistungssteigerung selbstverständlicher Bestandteil ihres Sports sind. Bis ein hoffnungsvolles Talent zur Spitzengruppe seiner Disziplin gehört, durchläuft es mehrere Stufen der Anpassung und Gewöhnung an die jeweils vorherrschenden Praktiken.4

Und es soll keineswegs zynisch klingen: der Erstkontakt mit Dopingmitteln kommt für jeden hoffnungsvollen Nachwuchsathleten einem Ritterschlag gleich. Denn der Umstand, daß Trainer oder Betreuer an einen herantreten, und die Möglichkeiten der Leistungssteigerung durch pharmakologische Mittelchen ansprechen, bedeutet zwar noch nicht, daß man es bereits zum Spitzensportler geschafft hat, aber zumindest, daß man auf dem besten Wege dazu ist. Wer beginnt, selbst Dopingsubstanzen einzunehmen, hat einen wichtigen Initiationsritus absolviert und gehört fortan zum legitimen Kreis der absoluten Topathleten.

Interessant ist, daß Bourdieu beschreibt, wie ein Habitus auch die Wahrnehmungsmuster prägt. Wer einmal kritisch das Spiel von Spitzensportlern mit Nähe und Distanz im Umgang mit Journalisten erlebt hat, kann erahnen, wie wirkmächtig habituelle Dispositionen sind. Denn: während "erlernt" wurde, daß dem internen Umfeld (Trainer, Ärzte…) unbedingt zu vertrauen ist, wurde gleichzeitig ein chronisches Mißtrauen gegenüber der Öffentlichkeit und Presse installiert. Das sprunghafte, kaum nachvollziehbare Verhältnis von Jan Ullrich zu den Medien5 läßt sich kaum anders erklären.

Die Sportler haben also, wie hoffentlich plausibel wird, über mehrere Instanzen einen Adaptionsprozeß durchlaufen und sich den Habitus "Spitzensportler" angeeignet. Ein Habitus markiert, wie man von Bourdieu lernen kann, immer auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu einem Millieu. Von zentraler Bedeutung ist dies, wenn und sobald Zugänge zu Eliten organisiert werden müssen. Bei anderen gesellschaftlichen Leistungseliten gehört zum erworbenen Habitus bspw. das Wissen darum, daß braune Lederschuhe zu einem schwarzen Anzug einen Fauxpas darstellen oder die adaptierte Fähigkeit, einen Hummer regelgerecht zu verspeisen.6

Die Zugehörigkeit zu einem Millieu erklärt nebenbei auch, weshalb eine Praxis, wie sie das systematische Doping im Leistungssport darstellt, so erfolgreich unter Verschluß gehalten werden kann. Oftmals wird zweifelnd eingewandt, es seien doch so viele unterschiedliche Personen(kreise) in die Vorgänge involviert: da gebe es die Betreuer, die fleißigen Helfer, die das Rad in Schuß halten und dann wieder den Ärztestab. Wenn man genau hinsieht, fällt auf, daß sich all diese Personengruppen fast ausschließlich aus ehemaligen Spitzensportlern rekrutieren. Die Teammanager (Bsp. Aldag, Henn etc.) sind selbst Ex-Radprofis, die Ärzte sind häufig selbst als Spitzensportler sozialisiert worden, bevor sie sich für die Medizin entschieden haben. Allen gemein ist, daß sie den Habitus des Leistungssports verinnerlicht haben. Dies umfasst genauso das Wissen, wie man sich vor Wettkampfhöhepunkten verhält, wie auch die Akzeptanz von Praktiken, die von der naiven Laienöffentlichkeit nicht goutiert werden. Und alle wissen, daß auf frevlerische Nachfragen, ob alles mit rechten Dingen zugehe, mit empörten Dementis zu reagieren ist.

Verhängnisvolle Systemlogiken

Wer glaubt, beim internationalen Spitzensport handele es sich letztlich doch nur um die regelgeleitet-spielerische Suche nach einem Sieger, der irrt. Systemtheoretisch betrachtet wird offenkundig, daß dem "System Spitzensport" lediglich die Orientierung am internen Differenzierungscode Leistung|Nicht-Leistung bleibt. Alle weiteren Aspekte sind, solange es sich um die Sphäre des Spitzensports handelt, nur daraus abgeleitet und sekundär.7 Wenn Baron de Coubertin an der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Jugend der Welt zum fairen sportlichen Wettstreit zusammenrief, war eines seiner Motive zweifellos die Völkerverständigung. Solche Aspekte, haben aber ebensowenig wie die Begriffe "Moral" oder "Fairness" einen Platz innerhalb der Eigenlogik eines ausschließlich auf Erfolge getrimmten Systems.

Anschlußfähig – und dies in jedem denkbaren Sinn – sind allein Leistungen, die den Sieg ermöglichen. Das Lamento darüber, daß beispielsweise bei Olympischen Spielen der Viertplazierte kaum mehr Beachtung finde, er aber doch eine fast ebenso bemerkenswerte Leistung erbracht habe wie diejenigen, die auf dem Treppchen und somit im Rampenlicht stehen, ist innerhalb des Systems Spitzensport unverständlich. Die Leistung des Siegers, dessen Werdegang, sein gestählter Körper, sein Leistungswille, all diese Aspekte interessieren. Sie lassen sich in die Notizblöcke der Reporter diktieren und können letztlich durch lukrative Werbeverträge in monetäre Vorteile transformiert werden.

Das Problem bei all dem ist nur, daß im Feld des Sports unterschiedliche Erwartungshaltungen aufeinanderstoßen, die kaum miteinander kompatibel sind. Das von Journalisten propagierte Bild des Ausnahmeathleten, wie es etwa von Jan Ullrich gezeichnet wurde, kollidiert in dem Moment mit der Realität, wenn publik zu werden droht, daß auch Ullrich die Bergetappen nur deshalb übersteht, weil er mit Hormonpräparaten auf Hochform getrimmt wurde und die Epozufuhr den Sauerstofftransport der roten Blutkörperchen bis ans Limit optimiert. Für den Sport selbst, der ja eben auf Leistung|Nicht-Leistung fokussiert ist, sind die Strategien, die jeder Sportler auf dem Weg zum Sieg wählt, zunächst nebensächlich.

Das hartnäckige Beschweigen und die Versuche, selbst offenkundige Dopingverstöße unter dem Deckmantel zu halten, sind Anhaltspunke für diese ausschließliche Orientierung an Leistung und Erfolg. Nicht umsonst wehrte sich etwa der Deutsche Sportbund (heute der DOSB) unter Vorsitz seines ebenfalls fragwürdig agierenden Präsidenten Thomas Bach jahrelang gegen die Versuche der Bundesregierung, Dopingverstöße durch das Justizsystem ahnden zu lassen und ein Anti-Doping-Gesetz zu verabschieden. Das eben ist der Unterschied: das politische System, das sich am Wählerzuspruch orientiert, wünscht sich (um eben dem unterstellten Wählerwillen zu entsprechen) die Möglichkeit klarer Sanktionen. Das Sportsystem allerdings, dessen Spitzenfunktionäre nicht zufälligerweise (s. die Ausführungen zum Habitusbegriff) ebenfalls zumeist ehemalige Topathleten sind, fürchtet diese staatliche Einflußnahme wie der Teufel das Weihwasser und beharrt auf Autonomie. Ansonsten stünde ein wichtiger Teil des Dopingarrangements in Gefahr.8

Interessant ist ebenfalls, wie das medizinische System (das eigentlich auf die Unterscheidung krank|gesund ausgerichtet ist) damit umgeht, wenn das Sportsystem ihm abverlangt, gesunde junge Menschen mit Medikamenten zu behandeln, die potentiell gesundheitsschädlich sind. Mit der Gratwanderung zwischen maximaler Leistungssteigerung und geringstmöglichem Gesundheitsrisiko, sowie der unseligen Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin wird sich der nächste Artikel genauer befassen.

 

  1. Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I
  2. Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II
  3. Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III
  4. Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV

 

 


Literaturtipps:

Linktipps:

 

  1. Die meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ernüchtert oder hinlänglich an Enttäuschungen gewöhnt. Manche freilich auch überrascht und auch persönlich enttäuscht. Und wer kippt als nächstes um? Bjarne Riis ist ja ein heißer Kandidat… weitere Kandidaten? []
  2. Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne daß deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits muß gewährleistet bleiben, daß die Athleten keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung. []
  3. Der Habitus kann verkürzt als Charakteristik der individuellen Persönlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition prägt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln. []
  4. Dazu zählen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; sämtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet für sein Zurechtfinden im Sportumfeld benötigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive "erlernt", adaptiert und als Habitus inkorporiert. []
  5. Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren läßt [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef Hagen Boßdorf schrieb sogar eine Jan-Ullrich-Biographie], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben. []
  6. Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterbühne also, thematisiert. []
  7. Für die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tatsächlich plausibel, daß die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [hier] von Fred Eberle skizziert. []
  8. Der Umstand, daß die Sportverbände mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit über Regelverstöße befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlußfähigkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mißerfolg unterworfen. Anders sind die haarsträubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
Twitter: Werkstatt | Meine (private) Website | Profile bei: Google+ | Facebook | Xing

Kommentare

8 Reaktionen »

Mitdiskutieren!

Diskutieren Sie mit oder setzen einen Trackback von Ihrer Website oder Blog. Abonnieren Sie die Kommentare als RSS-Feed.

Noch Fragen? Lesen sie die Kommentarregeln!

Folgende HTML-tags können verwendet werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Die Wissenswerkstatt benutzt Gravatare.

↑ nach oben