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The National „Boxer“ » Von der seltenen Kunst mit wenigen Mitteln großartig zu klingen

11. Mai 2007 | 21:52 Gelesen: 8832 · heute: 4 · zuletzt: 26. June 2017 4 Reaktionen

Es muß irgendwann im Sommer des Jahres 2005 gewesen sein, daß ich auf die Platte "Alligator" von "The National" aufmerksam geworden bin. Dieses erste Album, der in New York beheimateten fünfköpfigen Band, das einem breiteren Publikum bekannt wurde, besticht vor allen Dingen durch seine Unaufgeregtheit. Während viele andere Bands, die in ähnlich klassischer Besetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang, Piano) daherkommen, den Versuch unternehmen, den Zuhörer durch Orginalität und den ungezügelten Mitteleinsatz zu überwältigen, bestechen "The National" durch den souveränen Verzicht auf alle prätentiösen Spielereien. Wenn Klavier oder Streicher die Melodie begleiten oder mit neuen Variationen hinterlegen, gerät das niemals naiv-pathetisch. Die Raffinesse der Songs liegt gerade in den sorgfältigen Arrangements, die den Gesang von Bandchef Matt Berninger umrahmen.

Und überhaupt der Gesang Matt Berningers: auf eine leise, unnachahmlich melancholische Art bezaubert er durch eine sonore Präsenz, die selten ist. Die Nähe zu Nick Cave oder Stuart A. Staples (Kopf und Sänger der wunderbaren "Tindersticks") ist unverkennbar und wurde auch schon an anderer Stelle ausreichend gewürdigt. Mir selbst scheint auch eine Verwandtschaft zu Sivert Høyem (bekannter mit seiner Band "Madrugada") gegeben. Aber welchen Sinn hat es, über vermeintlich große Vorbilder fachzusimpeln, wenn doch die Stimme Berningers selbst längst ein Original ist?

Und was für "Alligator" galt, das trifft auf das neue Album "Boxer", das am 18. Mai 2007 erscheint, in gleichem Maße zu. Denn wie ich eben bei Nicorolas Musikblog lese, steht das komplette Album "Boxer" mitsamt seiner 12 Titel hier als Stream zum Anhören bereit. Es sind wieder die ruhigen Grundtöne, die den Sound von "The National"1 bestimmen; dezente Country-Einflüße sind unverkennbar. Und ebenso wie beim gefeierten Vorgänger werden gezielt und wohldosiert Klavier, Streicher und auch Bläser eingesetzt. Gleich der Beginn des Opener "Fake Empire" verströmt den ganzen Glanz dieser fein austarierten musikalischen Kunst. Im Ergebnis ist das melancholische Rockmusik, die die kühleren Maiabende untermalen kann, vermutlich aber erst im Herbst zu ihrer ganzen stillen Pracht finden wird. Bemerkenswert!

Als Appetithäppchen die erste Singleauskopplung "Mistaken for Strangers": 

  1. Die Band wurde 1999 gegründet und besteht aus den beiden Brüderpaaren Aaron und Bryce Dessner, Scott Devendorf und Bryan Devendorf und schließlich Matt Berninger. Das neue Album "Boxer" wurde in Zusammenarbeit mit Peter Katis (Interpol, Spoon) eingespielt, was möglicherweise die Nähe v.a. des 2. Songs "Mistaken for Strangers" zu Interpol erklärt. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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