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Einladung ins Wunderland » Sufjan Stevens singt Lieder über Gott und die Welt

13. April 2007 | 20:18 Gelesen: 9991 · heute: 2 · zuletzt: 20. August 2017 1 Reaktion

Es mag noch immer Zeitgenossen geben, die beim Begriff ‚Folkmusik‘ zuerst an Joan Baez denken und glauben, daß die Ära der Singer-Songwriter mit Bob Dylan begonnen, ihren Höhepunkt erlebt und gleichsam geendet habe. Aber vermutlich ist es ohnehin sinnlos, die Musik von Sufjan Stevens mit konventionellen und mittlerweile wenig aussagekräftigen Etiketten versehen zu wollen. 

Was ist es aber dann, was der bald 32-jährige Stevens auf inzwischen fünf Alben eingespielt hat? Neofolk-Pop? Orchestraler Independent-Fantasyrock? Egal, denn es ist ohnehin unbeschreiblich, welch überbordende Ideenvielfalt jeden einzelnen Song zu einem luftig-leichten Überraschungsbonbon macht. Und beim Auspacken [respektive Anhören] knistert das glitzernde Papier und die Originalitätsfunken versprühen ein kleines auditives Wunderkerzenfeuerwerk. Da ist das bevorzugte Banjo, das Stevens mit leichter Hand anschlägt, wunderbare Klaviermelodien, hier und da Sequenzen von Akkordeon oder Vibraphon und wenn Stevens Lust dazu hat, dann lädt er einen Mädchenchor ins Studio, um einige Passagen einzusingen oder er schlägt die Triangel an. Würde Stevens freilich bei all seinen Songs dieses versammelte Arsenal bemühen, dann bestünde möglicherweise doch die Gefahr der Ermüdung. Aber da Stevens genug musikalisch-dramaturgisches Gespür hat, so weiß er den Einsatz all der Bläser, Geigen und Zupfinstrumente aufs trefflichste einzusetzen und zu dosieren. Und wenn es dem Musiker, der mittlerweile in Brooklyn lebt und arbeitet, gefällt, dann spielt er eines seiner anbetungswürdigen Stücke ausschließlich mit seinem Banjo ein.

So, und wer an dieser Stelle skeptisch den Kopf schüttelt und reklamiert, daß dieser Artikel sich zu einer stattlichen Lobeshymne ausgewachsen hat, dem kann ich nur Recht geben. Und vielleicht die Empfehlung, sich eines der Alben anzuhören [hörenswert sind v.a. ‚Illinoise‘, ‚Greetings from Michigan‘ und ‚Avalanche‚].

Und hier noch eines der ruhigen, rein akustischen Kabinettstückchen: »For The Widows In Paradise, For The Fatherless In Ypsilanti« [Michigan-Album]
 

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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